Mai 18, 2009
Literatur & Film
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Romanautoren aus Südamerika sind in Europa noch nicht sehr bekannt, obwohl ihre Werke ganz sicher zur Weltliteratur gehören. Dem ein oder anderen sagt vielleicht der Name Mario Vargas Llosa etwas, aber dann hört es auch schon auf.
Zu einem der schönsten und lesenswertesten Bücher von einem peruanischen Schriftsteller gehört "Eine Welt für Julius" von Alfredo Bryce Echenique. In dem Roman wird das Aufwachsen eines Kindes in der peruanischen Oberschicht beschrieben. Die Mutter, die "zauberhafte Susan", liebt ihren Sohn Julius über alles, zeigt sich jedoch desinteressiert gegenüber seinem täglichen Leben, seinen Erfahrungen und Gedanken. Seinem Stiefvater gefällt nicht, dass er sich für die Angestellten des Hauses, aber nicht für Golf interessiert. Und Julius, die Hauptfigur des Romans "Eine Welt für Julius" von Bryce Echenique, findet von Kindheit an Geborgenheit bei seinem Kindermädchen und der Köchin, lernt das Leben der armen Leute in Peru über seinen Chaufeur und die Haushaltshilfe der Familie kennen und entwickelt ein naives Verständnis für die Situation der ärmeren Bevölkerungsschichten. Als sein Kindermädchen Vilma die Familie verlassen muss, weil sie von einem der Brüder Julius’ vergewaltigt wird, bricht eine Welt für ihn zusammen. Für seine Eltern ist das Kindermädchen schnell zu ersetzen, für Julius ist die Kündigung unverständlich.
Aus den Augen eines Kindes erscheint die krasse Teilung der peruanischen Gesellschaft zwischen "arm" und "reich" tragikomisch. Der Roman kritisiert auf sensible Weise die Arrogranz der "Priveligierten" gegenüber den weniger wohlhabenden Schichten, zeigt ihre Oberflächlichkeit und ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Situation ihrer Angestellten. "Eine Welt für Julius" bringt den Leser zum Schmunzeln und treibt ihm zugleich Tränen in die Augen – der Roman ist ein wahrer Genuss und Pflichtlektüre vor jeder Perureise!
Februar 23, 2009
Aktuelles, Literatur & Film
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Der peruanische Film “La Teta Asustada” (“Milch des Leids”) gewann auf der Berlinale 2009 den Goldenen Bären. Er stammt von der Nichte des berühmten peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa - Claudia Llosa – und erzählt von dem Schicksal der jungen Frau Fausta, die ein “Vergewaltigungskind” aus der Zeit des terroristischen Kampfes in Peru ist. Faustas Mutter stellt kein Einzelschicksal dar. Fausta hat das Leid ihrer Mutter über die Muttermilch weitergegeben bekommen und schreckt vor Berührungen und Kontakten mit Männern zurück. “La Teta Asustada” ist ein behutsamer aber auch unbequemer Film, der über ein Kapitel in der peruanischen Geschichte aufklärt, das weltweit nach wie vor weitgehend unbekannt ist.
Januar 21, 2009
Literatur & Film, Naturphänomene
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Alle Südamerikafans konnten sich in den letzten Tagen an der Serie “Wildes Südamerika”, die beim Fernsehsender ARTE ausgestrahlt wurde, erfreuen. Die sechs 50-Minuten-Folgen, die in Koproduktion von BBC und Animal Planet entstand, wurde schon im Jahr auf BBC One erstausgestrahlt. Die deutsche Übersetzung ist diese Woche noch als Widerholungssendung frühs auf ARTE zu sehen. Wer zu dieser Uhrzeit nicht kann, dem sei die ARTE-Webseite empfohlen, auf der die Südamerika-Serie ebenfalls angeschaut werden kann.
Die Serie ist fast ausschließlich der vielseitigen südamerikanischen Landschaft, dortigen Naturphänomenen und Naturkatastrophen gewidmet; die Bevölkerungsgruppen des Kontinents werden weitgehend ausgespart. Aber dazu gibt es ja auch schon viele, interessante Dokumentationen.
Die Serie “Wildes Südamerika” besteht aus folgenden Teilen:
1) “Leben am Abgrund” (“Lost Worlds”)
2) “Fluss ohne Grenzen” (“Mighty Amazon”)
3) “Sümpfe und Savannen” (“Great Plains”)
4) “Die Anden” (“Andes”)
5) “Im Dickicht des Dschungels” (“Amazon Jungle”)
6) “Die Küste der Pinguine” (“Penguin Shores”)
Dezember 4, 2008
Literatur & Film
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Der neue Roman vom weltbekannten und ausgezeichneten, mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes “Alle glücklichen Familien” handelt nicht von glücklichen Familien, sondern von familiären Tragödien. 16 verschiedene Schicksale werden beleuchtet – zum Beispiel das Aufbegehren eines Sohnes gegen seinen dominanten Vater und seine Kapitulation vor diesem oder die Trauer einer Mutter, die dem Mörder ihrer Tochter ins Gefängnis Briefe schreibt um ihm zu zeigen, welchen Menschen er umgebracht hat. Carlos Fuentes verleiht den Stimmlosen und Unterdrückten der mexikanischen (oder auch weltweiten) Bevölkerung eine Stimme und einen Platz in der Öffentlichkeit. Er beschreibt große, schwere und mitreißende Gefühle von Neid, Trauer, Liebe, Hass, Demut und Angst. Ein Roman, der auf alle Fälle unter den Weihnachtsbaum gehört…
Oktober 26, 2008
Literatur & Film
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Isabel Allende gehört zu den derzeit bekanntesten südamerikanischen Schriftstellern. Mit Büchern wie “Das Geisterhaus” erlangte sie Weltruhm. Dass in ihren Romanen nicht alles pure Fiktion ist, beschreibt Allende in ihrem autobiographischen Werk “Mein erfundenes Land“. Dort schildert sie ihr Leben als Kind und junge Frau in Chile, illustriert ihre Familie mit lustigen Anekdoten und gibt den ein oder anderen Hinweis auf ihre Verwandten, die ihr Inspiration für die Charaktere in ihren Bestsellern boten. Außerdem erklärt sie den Lesern, warum Chile eigentlich in ihren Erzählungen nur ein “erfundenes Land” ist. Isabel Allende ging kurz nach dem chilenischen Militärsturz ins Exil und lebt seit vielen Jahren in den USA.
Das Buch “Mein erfundenes Land” gibt Einblicke in das Leben in Chile in den Jahren vor dem Sturz von Salvador Allende, dem Onkel Isabels und beschreibt das bewegte Leben der lateinamerikanischen Schriftstellerin. Die Darstellungen sind immer mit einer Prise Selbstironie gewürzt, sei es wenn Isabel Allende über sich selbst oder über ihre Landsleute schreibt.
Ein lesenswertes Buch, auch für Allende-Neulinge, das Lust auf eine Lektüre der anderen Romane der berühmten Schriftstellerin macht.
September 20, 2008
Literatur & Film
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“Wie hoch sind 6000 Meter?” – das ist der Titel des Erstlingswerkes von Martina Bauer, einer “Großstadtpflanze”, die erst mit 30 Jahren ihre Leidenschaft fürs Bergsteigen entdeckte. In ihrem Buch berichtet sie auf eine sehr humorvolle und ehrliche Art über ihre Erlebnisse in der Bergwelt Ecuadors, Perus, Chiles und Argentiniens. Dabei ist nicht nur von Erfolgen zu lesen – Martina Bauer berichtet ebenfalls von “Niederlagen”, von den Anstrengungen und Strapazen und dann auch wieder von dem Glücksgefühl, einen Andengipfel erklommen zu haben. Das Buch ist auch für Nicht-Bergsteiger lesenswert, denn Martina Bauer war vor der Begegnung mit ihrem Mann, der sie an das Bergsteigen heranführte, völlig ahnungslos und ohne Ambitionen, was das Bezwingen von Bergen anging.
Das Buch “Wie hoch sind 6000 Meter?” ist so spannend geschrieben, dass man es am liebsten in einem Stück durchlesen möchte. Eine wunderbare Reiselektüre für den nächsten Besuch in Südamerika!
Juli 5, 2008
Literatur & Film
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Im Jahr 2006, dem “Superwahljahr” in Lateinamerika, entschied sich die Bevölkerung in einigen Ländern jeweils für den linken Regierungskandidaten. In Bolivien kam Evo Morales an die Macht, in Chile Michelle Bachelet, in Argentinien Ernesto Kirchner, in Brasilien “Lula” da Silva und in Venezuela – der derzeit bekannteste – Hugo Chavez. Über den Linksruck in den südamerikanischen Ländern wurde auch ein Buch geschrieben. Es heißt “Lateinamerika im Aufbruch: Soziale Bewegungen machen Politik” und wurde von Herbert Berger und Leo herausgegeben. Die Autoren der Aufsätze, Soziologen, Anthropologen, Juristen, Ökonomen und Journalisten, vertreten die Ansicht, dass die südamerikanische Politik vor einer großen Wende steht. Die Länder des südamerikanischen Kontinents ergreifen erstmals die Chance, sich aus ihrer abhängigen Stellung zu befreien und selbstbewusst eigene politische Wege zu gehen.
An dieser Sichtweise wird jedoch Kritik laut: Das Buch verkenne die Wirklichkeit der Bevölkerung in Südamerika. Noch immer herrschen unter den dortigen Politikern Korruption und Machtmissbrauch vor. Von der neuen Aufbruchsstimmung, die die Buchautoren prognostizieren, seien die Bewohner der Städte und Dörfer nicht ergriffen.
Der Linksruck in der Politik ist jedoch auf alle Fälle eine eingehendere Untersuchung wert. Wenn das Buch Interesse für die lateinamerikanischen Belange weckt, ist es schon ein kleiner Erfolg.
Juni 14, 2008
Literatur & Film
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Derzeit erhitzen sich vor allem peruanische Gemüter an dem neuen Film “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels”. Während Indiana Jones-Fans begeistert in die Kinos strömen, um endlich – nach fast 20 Jahren Drehpause – zusammen mit “Indy” ein neues Abenteuer zu erleben, kritisieren Filmexperten, dass historische Kulturschätze der Inkas und der Maya einfach vermischt und verfälscht wiedergegeben werden. Die einen sagen, der Film ist pure Fiktion, die anderen werfen dem US-amerikanischen Regisseur Steven Spielberg Arroganz vor. Zu den Fehlern im Film gehören unter anderem, dass die berühmten Líneas de Nazca in die Anden versetzt wurden, obwohl sie in Realität in der Nähe der Südküste Perus liegen oder dass sich die mexikanische Pyramide von Chichen Itza mit einmal im Amazonastiefland befindet.
Mai 30, 2008
Literatur & Film
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Bei “Die Liebe in Zeiten der Cholera” handelt es sich um einen Bestseller von Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. Der mittellose, romantische Florentino verliebt sich als junger Mann in die schöne Fermina. Deren Vater verbietet jedoch die Liason. Die junge Frau heiratet daraufhin einen wohlhabenden Arzt. Florentino schwört jedoch, sie bis an sein Lebensende zu lieben. Erst als Ferminas Ehemann in hohem Alter stirbt, hat Florentino die Chance, das Herz der inzwischen gealterten fermina zu gewinnen.
2007 wurde das Buch von Regisseur Mike Newell verfilmt. Ein bildgewaltiger Film mit hervorragenden Schauspielern (Javier Bardem, Giovanna Mezzogiorno, Benjamin Bratt und Catalina Sandino Moreno). Die Liebes- und Leidensgeschichte in Kolumbien zur Zeit der Cholera und um die Jahrhundertwende wird authentisch erzählt und dargestellt. Tolle Aufnahmen vom Amazonas und dem columbianischen Regenwald, aber auch von der Alltagsgestaltung der kolumbianischen Bevölkerung bilden einen guten Ausgleich zu der gefühlsbetonten Geschichte.
Die Filmmusik stammt von Shakira, die von Gabriel García Marquéz sehr bewundert und gelobt wurde.