Alfredo Bryce Echenique: Eine Welt für Julius – Buchrezension
Mai 18, 2009 12:21 pm Literatur & Film
Romanautoren aus Südamerika sind in Europa noch nicht sehr bekannt, obwohl ihre Werke ganz sicher zur Weltliteratur gehören. Dem ein oder anderen sagt vielleicht der Name Mario Vargas Llosa etwas, aber dann hört es auch schon auf.
Zu einem der schönsten und lesenswertesten Bücher von einem peruanischen Schriftsteller gehört "Eine Welt für Julius" von Alfredo Bryce Echenique. In dem Roman wird das Aufwachsen eines Kindes in der peruanischen Oberschicht beschrieben. Die Mutter, die "zauberhafte Susan", liebt ihren Sohn Julius über alles, zeigt sich jedoch desinteressiert gegenüber seinem täglichen Leben, seinen Erfahrungen und Gedanken. Seinem Stiefvater gefällt nicht, dass er sich für die Angestellten des Hauses, aber nicht für Golf interessiert. Und Julius, die Hauptfigur des Romans "Eine Welt für Julius" von Bryce Echenique, findet von Kindheit an Geborgenheit bei seinem Kindermädchen und der Köchin, lernt das Leben der armen Leute in Peru über seinen Chaufeur und die Haushaltshilfe der Familie kennen und entwickelt ein naives Verständnis für die Situation der ärmeren Bevölkerungsschichten. Als sein Kindermädchen Vilma die Familie verlassen muss, weil sie von einem der Brüder Julius’ vergewaltigt wird, bricht eine Welt für ihn zusammen. Für seine Eltern ist das Kindermädchen schnell zu ersetzen, für Julius ist die Kündigung unverständlich.
Aus den Augen eines Kindes erscheint die krasse Teilung der peruanischen Gesellschaft zwischen "arm" und "reich" tragikomisch. Der Roman kritisiert auf sensible Weise die Arrogranz der "Priveligierten" gegenüber den weniger wohlhabenden Schichten, zeigt ihre Oberflächlichkeit und ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Situation ihrer Angestellten. "Eine Welt für Julius" bringt den Leser zum Schmunzeln und treibt ihm zugleich Tränen in die Augen – der Roman ist ein wahrer Genuss und Pflichtlektüre vor jeder Perureise!
